Älteste Fastnacht im Spreewald: Straupitz feiert 200-jährige Tradition
In der Spreewaldregion gehört die Fastnacht zu den wichtigsten traditionellen Festen. Die älteste wird in Straupitz gefeiert. In diesem Jahr feiert das Dorf in Brandenburg stolz das 200-jährige Jubiläum.
Die sorbisch-wendische Fastnacht – auf Sorbisch Zapust – gehört zum Spreewald wie die Gurken und das Leinöl. Doch während diese das ganze Jahr über zu haben sind, gibt es die Fastnacht nur von Januar bis März. Diese Tradition, mit der der Winter hinausgetrieben wird, lebt in vielen Dörfern der Region seit über hundert Jahren. Doch keine ist nachweislich so alt wie die Fastnacht im Spreewalddorf Straupitz, die in diesem Jahr zum 200. Mal vom 28. Februar bis zum 1. März gefeiert wird.
Historischer Fund: Kassenbuch beweist 200-jährige Fastnachtstradition
Es ist ein sonniger, eiskalter Wintermorgen, als wir Annmarie Rose vom Straupitzer Fastnachtsverein am Kahnhafen treffen, der noch im tiefen Winterschlaf liegt. Doch am 28. Februar dürfte es damit vorbei sein, denn in einem Festzelt am Hafen startet die zweitägige Straupitzer Fastnacht. Doch so schön die Idylle auch ist, wir machen uns fürs Gespräch über die 200-jährige Tradition lieber auf ins gut beheizte Müllerhaus an der Holländerwindmühle.
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Bauernzeitung: Woher weiß man denn, dass die Straupitzer Fastnacht seit 200 Jahren gefeiert wird?
■ Annmarie Rose: Bis 2016 dachten wir, die Fastnacht wäre von 1878. Doch 2016 wurde von unseren Ortschronisten ein Kassenbuch gefunden, in dem Ausgaben für die Fastnacht von 1825 aufgeführt waren. Damit fanden sie den Nachweis, dass die Straupitzer Fastnacht die Älteste in der Region ist. Die Freude darüber war und ist natürlich groß.
Fastnacht in Straupitz: Eröffnung mit der Trachtenpolonaise
Ist auch überliefert, wie die Fastnacht gefeiert wurde?
■ Der Ablauf wurde von Generation zu Generation weitergegeben. So erfolgt noch heute die Trachtenpolonaise nach einer traditionellen Abfolge. Die Paare marschieren und tanzen bei stimmungsvoller Blasmusik verschiedene Choreografien, präsentieren dabei sich und ihre Trachten. Höhepunkt der Trachtenpolonaise ist die Kussbank, auf der sich das Paar dann küsst und gemeinsam einen Schnaps trinkt.
Allerdings hat sich der zeitliche Ablauf der Fastnacht über die Jahre hinweg geändert. Fand früher die Trachtenpolonaise am Mittwoch statt, wird sie heute am Freitag getanzt – und im Jubiläumsjahr mit hoffentlich 100 Paaren. Daher müssen wir wohl oder übel die Polonaise erstmals in ihrer Geschichte zeitlich verkürzen. Einen Trachtenumzug durch das Dorf gibt es in Straupitz nicht. Auch tragen die Paare keine Kopfbedeckungen wie Hüte oder Hauben, das ist über die Jahre verloren gegangen. Doch ganz wichtig: Die Haare der Mädchen müssen hochgesteckt sein.
Eröffnet wird die Fastnacht zweisprachig, also auch in Sorbisch, und angeführt wird sie vom Prinzenpaar des Karnevals, der in Straupitz nach der Fastnacht am 2. März gefeiert wird.
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traditionellen Tracht. Höhepunkt ist
wie immer die Kussbank."
Trachtenvielfalt in Straupitz: Generationenalte Festtagskleidung
Was ist das Besondere an den Trachten, die bei der Polonaise präsentiert werden?
■ Alle Mädchen und Frauen tragen eine sorbisch-wendische Festtagstracht, die meist von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Ich trage zum Beispiel die Tracht, die meine Oma als junges Mädchen getragen hat.
Für die Trachtenpolonaise werden Rock, Tuch und Scherpe schon Tage zuvor gebügelt, gestärkt, getullt, denn alles muss perfekt sitzen. Die Schleife an den Trachten wird übrigens in Straupitz immer links getragen, egal ob man verheiratet ist oder nicht.
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© Fastnachtsverein Straupitz
Sorbische Fastnacht im Spreewald: Tradition, Trachten und ausgelassenes Feiern
Die Fastnacht in Straupitz wird zwei Tage lang gefeiert. Was passiert über die Trachtenpolonaise hinaus?
■ Nach der Trachtenpolonaise am Freitag geht es am Samstag schon sehr früh weiter. 8 Uhr startet am Festzelt das Zampern. Der Zug zieht dann fröhlich durch den Ort, sammelt Eier, Speck und Geld ein. Auf jeden Fall wird der Zamperzug durch unser Fastnachtsgässchen ziehen. Am Sonntag wird sogar noch Karneval gefeiert.
Das Geheimnis des Fastnachtsgässchens
Was hat es mit diesem Fastnachtsgässchen auf sich?
■ Es wurde im vergangenen Jahr Ende Dezember zu Ehren des 200-jährigen Fastnachtsjubiläums eingeweiht. Für die Beschilderung hatte der Fastnachtsverein Spenden gesammelt. Dem Aufruf sind sehr viele gefolgt, und wir konnten sogar 200 Euro für das Kinderhospiz in Burg spenden.
Wissen Sie, wie der Zamperzug in diesem Jahr aussehen wird?
■ Nein, daraus machen die Teilnehmer immer ein großes Geheimnis, das erst beim Zampern gelüftet wird. Aber die Leute sind sehr kreativ, und es gab schon die verrücktesten Sachen.
Karneval in Straupitz: Eine rheinische Tradition im Spreewald
Warum wird in Straupitz auch Karneval gefeiert?
■ Anfang der 1950er-Jahre sind Straupitzer nach Köln zum Karneval gefahren. Der hat ihnen so gut gefallen, dass der Straupitzer Karneval seit 1955 nach Kölner Vorbild immer am Tag vor Rosenmontag gefeiert wird – 2027 dann zum 70. Mal, da in den Jahren 1973 und 2021 nicht gefeiert wurde.
Zurück zum Fastnachtsjubiläum – wie hat sich der Verein darauf vorbereitet?
■ Wir haben in den vergangenen Monaten die Straupitzer um Fotos gebeten. An die 500 sind zusammengekommen – von 1937 bis 2014. Eine Auswahl wird im Festzelt zu sehen sein, ebenso eine eigens für das Jubiläum erstellte Chronik. Wir haben auch Interviews mit älteren Straupitzern geführt, die zum Beispiel berichtet haben, wie und vor allem wo die Fastnacht gefeiert wurde. Organisiert wurde sie von Leuten, die Lust hatten, Fastnacht zu feiern und denen die Tradition am Herzen lag.
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107 Mitglieder stark: Das Herz der Straupitzer Fastnacht
Heute übernimmt der Fastnachtsverein die Organisation. Seit wann gibt es ihn?
■ Seit 1993. Inzwischen zählt er 107 Mitglieder, die fast alle aus Straupitz und den umliegenden Dörfern kommen. Hauptaugenmerk der Vereinsarbeit sind Pflege und Erhalt der Fastnachts- und Karnevalstradition. Doch wir bringen uns auch bei anderen Veranstaltungen wie dem Osterfeuer und dem Dorffest mit ein. Außerdem sind wir im neu gegründeten Vereinsring, der das Dorfleben weiter ankurbeln will und Finanzen und Aktivitäten bündelt. Und wie überall ist Nachwuchs gefragt.
Ihre Tracht ist von der Oma, Ihr Vater hat den Verein mit gegründet, Sie sind jetzt die zweite Vorsitzende – die Fastnacht wurde Ihnen sozusagen in die Wiege gelegt?
■ Auf jeden Fall. Wir sind eine alte Straupitzer Familie, die eng mit Traditionen wie der Fastnacht verbunden war und ist. Und so ist es vielleicht kein Zufall, dass ich am 11.11. geboren wurde. Meine Oma hat mich übrigens als Fastnachtsbaby beim Zampern über die Menge gehoben. Ja, ich bin mit Herz und Seele dabei, trage auch stolz die Tracht wie erst letztens auf der Grünen Woche in Berlin.
Trachtenpolonaise: Jeder ist willkommen
Bleiben die Straupitzer bei den Fastnachts-Feierlichkeiten unter sich?
■ Nein, zur Trachtenpolonaise am Freitag ab 18.30 Uhr ist jeder willkommen. Für die Straupitzer und alle, die in sorbisch-wendischer Tracht kommen, ist der Eintritt frei, ansonsten kostet er zehn Euro. Für die Teilnahme an der Polonaise musste man sich allerdings anmelden.
Auch beim Zampern Samstagfrüh kann jeder dem fröhlichen Zug zuschauen wie auch dem bunten Karnevalsfestumzug am Sonntag ab 13.30 Uhr.
Von Kahnfahrten bis flüssiges Spreewaldgold
Straupitz ist nicht nur zur Fastnacht einen Besuch wert. Das Spreewalddorf lockt mit Kahnfahrten, einer imposanten, nach Plänen von Karl-Friedrich Schinkel erbauten Kirche, einem Kornspeicher mit Dorfgeschichte sowie mit einer Holländermühle, wo man dem Ölmüller bei der traditionellen Herstellung des Spreewälder Goldes zuschauen kann.
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