Pflanzenschutz im Obstbau: So schützt der Obsthof Müller seine Bäume vor Schädlingen
Obstbauern wie Alexander Müller vom Obsthof Müller sind gefordert, den Pflanzenschutz im Obstbau präzise auf die jährlichen Entwicklungsstadien abzustimmen, um Schädlinge und Krankheiten effektiv zu bekämpfen. Ein Blick auf aktuelle Strategien und Werkzeuge unseres Praxispartners aus Sachsen-Anhalt:
Um Schädlinge und Krankheiten wirksam zu bekämpfen, muss Alexander Müller den Pflanzenschutz im Obstbau genau auf die jeweiligen jährlichen Entwicklungsstadien abstimmen. Ein Blick auf den phänologischen Kalender zeigt: Die jahreszeitliche Entwicklung der Pflanzen ist 2025 deutlich normaler als im Vorjahr. Nach dem phänologischen Kalender, der anhand der Entwicklungsstadien von Zeigerpflanzen zehn Jahreszeiten ausweist, läutete die Forsythienblüte am 22. März in Sachsen-Anhalt den Erstfrühling ein. Im Vergleich zum vieljährigen Mittel bedeutete dieser Termin laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) nahezu eine Punktlandung. Im Vorjahr war die Natur jenem Zeitpunkt rund drei Wochen voraus, die Forsythie blühte bereits Ende Februar.
Spätfrostgefahr im April: Lehren aus dem Vorjahr für den Obstbau
Die Blüte frühreifender Äpfel als Zeichen für den Beginn des Vollfrühlings ist im langjährigen Schnitt auf den 25. April terminiert. Im vorigen Jahr war dieses Entwicklungsstadium im Landesmittel aber bereits am 8. April erreicht, mit den bekannten Folgen: Starke Nachtfröste zu Anfang der dritten Aprildekade rafften vielerorts die Baumobstblüte fast vollständig hin.
„Wir sind gegenüber dem extrem zeitigen 2024er-Frühjahr jetzt zwar deutlich später, aber dennoch eher als in früheren Zeiten“, weiß Alexander Müller um die klimabedingte Vorverlegung des Vegetationsbeginns. Der Inhaber des Obsthofes Müller in Querfurt orientiert sich bei der betrieblichen Arbeitsplanung vor allem an den phänologischen Entwicklungsstadien des Kern- und Steinobstes mit dem Ziel, anstehende Pflege- und Pflanzenschutzmaßnahmen so termingerecht wie möglich zu erledigen.
Obstbau: Aktuelle Herausforderungen im Pflanzenschutz
Mitte Januar hatte Müller Fruchtholzproben aller Baumobstarten an das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Süd geschickt, um diese auf tierische Krankheits- bzw. Schaderreger wie Milben, Läuse und Falter untersuchen zu lassen.
Vom Amt erhielt er bereits die Ergebnisse, die z. B. höheren Besatz mit Obstbaumspinnmilbeneiern an Aprikose und Pflaume ausweisen. Später folgen vom Amt auch Empfehlungen zu Pflanzenschutzmaßnahmen gegen die jeweiligen Schädlinge und zu optimalen Behandlungszeitpunkten auf der Basis von Bekämpfungsrichtwerten. Der Betriebsleiter hat hierfür auch den Warndienst Obstbau des amtlichen Pflanzenschutzdienstes Sachsen-Anhalt abonniert.

Obstbauern im Austausch: Gemeinsam für eine erfolgreiche Saison
Vorvergangene Woche traf sich Müller zudem in Höhnstedt mit Berufskollegen aus der Region, um in kleiner Runde Erfahrungen zum Pflanzenschutz im Obstbau auszutauschen. An den Zusammenkünften, die bis zur Kirschernte alle 14 Tage reihum auf den Höfen der Obsterzeuger stattfinden, nehmen zum Teil auch Vertreter von Pflanzenschutzmittelherstellern teil.
Schädlingskontrolle im Obstbau: Weiße Leimtafeln und Klopfproben
Mit weißen Leimtafeln kontrolliert der Betriebsleiter in seinen Obstanlagen das Auftreten von Blütenschädlingen wie der Apfelsägewespe. Den Apfelblütenstecher, ein Rüsselkäfer, bonitiert er hingegen mit der Klopfprobe. Dabei schlägt er gegen einen Ast und fängt die herabfallenden Insekten in einem Behältnis auf. Im Blick hat Müller ebenso pilzliche Krankheiten wie Mehltau und Schorf beim Apfel.
Auch hierzu gibt es für den Obstbau Prognosemodelle und Behandlungsempfehlungen vom Pflanzenschutz-Dienst. „Es gilt, den Zuwachs an den Bäumen durch einen fungiziden Belag zu schützen“, so Müller. „Entscheidend ist die Gesunderhaltung bis zur Blüte. Verpasst man bis dahin etwas, läuft man dem das ganze Jahr hinterher.“

erreicht, die grünen Blattspitzen überragen die Knospenschuppen.
© Detlef Finger
Effiziente Schnittholzverarbeitung: Mulchen und Kehren
Derzeit sind er und seine Festangestellten noch immer mit dem händischen Korrekturschnitt an den Bäumen beschäftigt. „Die Süßkirschen und Aprikosen sind fertig, die Äpfel zu etwa zwei Drittel geschafft. Zwetschgen und Sauerkirschen müssen wir noch schneiden“, bilanzierte der 48-Jährige beim Besuch am vorigen Donnerstag (27.3.). „Durch krankheitsbedingten Ausfall hängen wir derzeit hinterher.“
Parallel laufen in den Obstanlagen weitere Arbeiten. So zerkleinert Müller etwa das anfallende Schnittholz mit dem Mulcher, damit es besser verrottet. Liegt viel davon auf den Gassen, baut er den Mulcher an der Schlepperfront an. Ist es eher wenig, wird das Holz mit dem Kehrbesen vorn zusammengefegt und mit dem am Fahrzeugheck folgenden Mulcher zerkleinert.
Effiziente Baumstreifenbearbeitung: Der Kreiselkrümler im Einsatz
Zudem ist Müller mit einem Kreiselkrümler in den Plantagen zugange, den er sich von einem Berufskollegen geborgt hat. Das Anbaugerät eines Südtiroler Herstellers ist für das Bearbeiten der Baumstreifen konzipiert.

Kreiselkrümler: Vor- und Nachteile im Überblick
Im Gegensatz zu den begrünten Fahrgassen sollen die Streifen beiderseits der Baumreihen etwa 50–60 cm breit möglichst lange bewuchs- und unkrautfrei gehalten werden. „Hierbei geht es darum, die Wasser- und Nährstoffkonkurrenz zu reduzieren“, erklärt Müller. Zudem verrotte altes Laub besser, was den Krankheitsdruck reduziere. Auch habe er so Schädlinge wie z. B. Mäuse besser im Blick, und Greifvögel könnten die Nager besser packen. Außerdem erwärme sich der unbewachsene Boden im Frühjahr tagsüber schneller, was bei leichten Nachtfrösten günstig sein könnte. Allerdings trockne der Boden dann auch schneller aus. „Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile“, sagt Müller.

Unterstockhackgerät: Technische Daten und Einstellungsmöglichkeiten
Der Kreiselkrümler, vom Hersteller als Unterstockhackgerät bezeichnet, arbeitet doppelseitig mit jeweils zwei rotierenden Kreiseln. Angetrieben von der Zapfwelle, lässt sich das Gerät elektrisch-hydraulisch steuern. Die Werkzeuge sind höhen- und seitenverstellbar, die Arbeitstiefe lässt sich zwischen 0–10 cm variieren, es sind Arbeitsbreiten von 40–50 cm möglich. Taster sorgen dafür, dass die Kreisel Baumstämmen und anderen Hindernissen ausweichen.
Einsetzbar ist das Gerät für Reihenabstände von 2,00–4,20 m. Durch die langsam arbeitenden Werkzeuge wird die Krümelstruktur des Bodens nicht zerstört, sondern gar gefördert. Zum Freihalten der Baumstreifen kommen in den Anlagen alternativ im Frühjahr – idealerweise vor der Obstblüte – auch Vorauflaufherbizide zum Einsatz. Damit diese Präparate ihre Wirkung entfalten können, bedarf es allerdings einer ausreichenden Bodenfeuchte. Diese ist derzeit aber nicht gegeben.
Mehr vom Praxispartner

Fachliche Qualität – jetzt digital mit dem gratis Upgrade!
Sie sind bereits Abonnent:in der gedruckten Bauernzeitung und möchten die aktuelle Ausgabe zusätzlich auf Ihrem Smartphone, Tablet oder in der Browseransicht lesen? Erweitern Sie einfach Ihr Abonnement:
- Jetzt ein Jahr kostenlos upgraden
- Zuverlässig donnerstags lesen
- Offline-Modus: E-Paper auch ohne Internetzugang lesen
- Lesemodus nutzen, Artikel speichern, Suchfunktion
- Zugriff auf das Ausgaben-Archiv
Die Bauernzeitung jetzt digital lesen – immer und überall!