Die fleißigen Schneiderlein der Gesichtsmasken

In diesen Tagen werden Gesichtsmasken dringend gebraucht. Und auch die Landfrauen sind landauf landab fleißig am Nähen – doch nicht nur sie.

Von Bärbel Arlt und Heike Mildner

Eine unglaubliche Welle der Nachbarschaftshilfe schwappt derzeit bis ins kleinste Dorf. Die einen gehen für Menschen, die zur Risikogruppe gehören, einkaufen, andere nähen Gesichtsmasken, weil diese überall dringend gebraucht werden – ob in Krankenhäusern, Pflegheimen, in der Familie oder in der Nachbarschaft. Wir haben uns bei den Landfrauen umgehört und ergreifende Geschichten erfahren.

Sächsische Landfrauen fackelten nicht lang

So hat uns Raina Mratzek aus dem sächsischen Börnichen erzählt, dass die 18 Landfrauen des Ortsvereins, die sich ansonsten gern beim Sticken, Klöppeln und anderen Handarbeiten und Themen treffen, nicht lange gefackelt haben, als eine Physiotherapie nach Masken anfragte. „Wir sind alle keine gelernten Schneiderinnen, aber haben alle ein großes Herz und einen großen Gemeinschaftssinn. Und wo wir helfen können, helfen wir“, sagt die 71-Jährige.

Ihre Mitstreiterin Barbara Wahl hat sogar die Nähmaschine, die 30 Jahre auf dem Boden stand, wieder zum Leben erweckt. „Ich kann nicht rumsitzen, muss immer was tun und bring mich gern mit ein, um zu helfen“, sagt die 66-jährige pensionierte Grundschullehrerin. Und aktiviert haben die Börnichener Landfrauen mit ihrem Engagement auch den Oederaner Bürgermeister und rührige Händler, die die Landfrauen mit Materialien wie Stoff, Gummiband und Zwirn unterstützen und zum Teil auch die Verteilung organisieren. „Trotz Distanz funktioniert das Netzwerk super. Jedes Vereinsmitglied bringt sich seinen Möglichkeiten entsprechend ein“, so die sächsischen Landfrauen.

Auch in Sachsen-Anhalt rattern die Maschinen

Auch in Sachsen-Anhalt sind die Landfrauen fleißig mit dabei „und nähen bis die Maschinen glühen“, sagt Landesvorsitzende Sibylle Klug, die von der Dynamik, die sich entwickelt hat, begeistert ist. Doch bei aller Ernsthaftigkeit sollte man auch den Spaß nicht ganz verlieren und positiv denken. In ihrem Milchviehbetrieb, so die Landwirtin, laufe alles normal. Die Tiere werden gefüttert, gemolken, das Milchauto kommt und der Tierarzt auch. Nur regnen müsste es mal.

Potsdam-Mittelmarker Landfrauen nähen Gesichtsmasken fürs Klinikum

Mit an Bord sind auch die Landfrauen vom Kreisverband Potsdam-Mittelmark. Da wird emsig Stoff gewaschen, genäht, gebügelt – für die Familie, die Dorfbewohner, aber auch für soziale Einrichtungen und zum Beispiel fürs Potsdamer Bergmann-Klinikum. Geschäftsführerin Kornelia Hurttig spricht dabei von „kleinen bescheidenen Helden“, die um das, was sie tun, kein großes Aufheben machen wollen. Und sie betont, dass es nicht nur wichtig ist, Hilfe zu geben, sondern auch, Hilfe anzunehmen.

In Thüringen macht Not ebenfalls erfinderisch

Auch in Thüringen wollen die Landfrauen die Nähmaschinen rattern lassen, denn die Nachfrage in den Kommunen, bei ländlichen Vereinen ist groß und die Landfrauen helfen da gern mit. Und neben dem Engagement sollte es auch an Materialien nicht mangeln. „Ich denke, dass viele unserer Mitglieder noch Baumwollbettwäsche haben, die man verwenden und bei 90 Grad waschen kann“, so Landesgeschäftsführerin Christine Schwarzbach. Denn viele der Thüringer Landfrauen sind im Seniorenalter und kennen „Mangelwirtschaft“. „Da werden Dinge nicht so schnell weggeworfen.“ Und Not macht ja bekanntlich erfinderisch.

Gesichtsmasken aus dem Brandenburger Havelland

Keine Schule, das Spielen mit den Freundinnen ist auch nicht erlaubt. Und so hört Antje Schulze vom Landfrauenverband Havelland in diesen Tagen sehr oft von ihrer Tochter Johanna: „Corona ist doof.“ Doch die Achtjährige sucht sich neue Herausforderungen. Und ihre Leidenschaft fürs Nähen kommt ihr da gerade recht. Denn jetzt werden für die Familie Masken genäht. Antje Schulze hofft wie ihre Tochter, dass die Coronazeit bald vorbei ist. „Dann werden wir Landfrauen vor neuen Herausforderungen stehen und uns sicherlich auch gegenseitig wieder aufbauen müssen.“

Studentinnen nähen gegen die „Corona-Langeweile“

Auch die Universitäten haben geschlossen und so sind Victoria Thron (22), BWL- Studentin in Wismar, und ihre Schwester Henriette Thron (19), Studentin der Ernährungswissenschaften in Jena, derzeit zu Hause in Hohenleipisch im Elbe-Elster-Kreis. Um etwas gegen die, wie sie selbst sagen, „Corona-Langeweile“ zu tun, haben sie sich entschlossen, Gesichtsmasken zu nähen, um mitzuhelfen, berichtet uns Veit Rösler aus Hohenleipisch.  Und so nähen und geben die Studentinnen derzeit zwischen 40 und 50 Stück pro Tag ab.

Nähmaschinen reaktiviert und ein neues Hilfsprodukt im Visier

In Bützow (Mecklenburg-Vorpommern) wurden die Nähmaschinen aus ABM-Zeiten reaktiviert. In der Miniaturstadt, einem touristischen Anziehungspunkt der Kleinstadt, 40 km südlich von Rostock, nähen seit Montag (30. März) fünf Frauen rund 80 bis 90 Masken am Tag. Birgit Czarschka (F. r.) , Chefin der Miniaturstadt sowie der regionalen Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft und ehrenamtliche Bürgermeisterin von Bernitt, erzählt, wie schnell man hier von der Idee ins Handeln kam: „Den Impuls gab eine Telefonkonferenz des Städte- und Gemeindetages am Donnerstag (26. März). Am Freitag haben wir anhand von Internetanleitungen unseren Prototyp entwickelt, und seit Montag ein Artikel in der Bützower Zeitung stand, bringen die Bützower Stoffe und Gummilitze vorbei und nehmen sich ein, zwei Masken dafür mit.“

Drei Frauen nähen (Foto Petra Kuhrt l.), zwei arbeiten zu: reißen den Stoff (das geht besser als mit der Schere), bügeln, heften mit Stecknadeln vor. Volkssolidarität und Pflegedienste, die teils auch über die Dörfer fahren und dringend Masken brauchen, sind dankbare Abnehmer. Verkauft werden die Masken nicht, Spenden für die Miniaturstadt sind aber willkommen. Schließlich darf auch sie nicht öffnen, Einnahmen durch Eintritt fallen aus. Inzwischen seien zwei Frauen in Heimarbeit in die Produktion eingestiegen. Auf Anregung einer Ärztin sei bereits ein neues Produkt in Entwicklung: Visiere aus 125-Gramm-Laminierfolie. mil


Das alles sind nur einige Beispiele, die stellvertretend für viele fleißige Helfer und Helferinnen stehen und denen auch wir als Bauernzeitung für ihr Engagement danken. Denn genäht und verteilt werden die Masken kostenlos, wobei eine kleine Spende für die Vereinsarbeit gern gesehen ist. Haben auch Sie engagierte Mitstreiter in Ihrem Dorf – dann mailen Sie uns: bauernzeitung@bauernverlag.de


Zurück in einen neuen Alltag?

Corona beeinflusst weiter unser Leben. Doch mit ersten Lockerungen der nächsten Wochen, blicken wir auf die Zeit „danach“. Könnte sie für die Landwirtschaft anders werden?

Es kommentiert Ralf Stephan

So fest im Griff hat uns die Coronakrise, dass die ganz normale Rückkehr in den früheren Alltag fast nicht mehr vorstellbar erscheint. Immer wieder hört man Diskussionen, die Gesellschaft möge nun end­lich in sich gehen und den Neustart nach dem Ende der Krise in dieser oder jener Hinsicht für einen ech­ten Neuanfang nutzen. Realis­mus ist dabei mal mehr, mal we­niger im Spiel.

Zwischen zwei Polen pendeln dabei die Argumente. Die Opti­misten unter den Historikern er­innern daran, dass nach dem ersten verheerenden Zug der „Schwarzen Pest“ durch Europa das düstere Mittelalter sein Ende fand und mit der anschließenden Renaissance die Wissenschaft wie auch die Künste zum Erblü­hen kamen. Andere Historiker verweisen darauf, dass die Menschheit noch nie eine Katas­trophe, schon gar nicht eine Krise zum Anlass nahm, ihr Han­deln tatsächlich dauerhaft und gründlich zu ändern.

Forderungen nach Veränderung

Chefredakteur Ralf Stephan, Bauernzeitung
Ralf Stephan, Chefredakteur der Bauernzeitung

Den Versuch aber ist es wert, die Landwirtschaft wieder zum Blühen zu bringen. Das sagt sich auch der Deutsche Bauernverband. Kurz vor Ostern forderte er, die aktuellen Projekte der EU­-Agrarpolitik zu überdenken. Eine Lehre aus der jetzigen Situation ist für ihn eine starke europäi­sche Landwirtschaft, die knapp 450 Millionen EU­-Bürgerinnen und EU­-Bürger auch unter den Bedin­gungen einer weltweiten Krise zuverlässig mit Nah­rung versorgen kann.

Den „Grünen Deal“, den Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu ihrem Programm machte, sehen viele in der Landwirt­schaft kritisch. Nach diversen Erfahrungen der letz­ten Jahrzehnte gibt es gute Gründe, noch einmal genauer nachzufragen, ob Versorgungssicherheit darin eine ausreichend große Rolle spielt.

Die Kehrseite der schwedischen Medaille

Der Blick nach Schweden zeigt, wie nötig dies ist. Dort war man lange stolz darauf, eine der striktesten Tierschutzgesetzgebungen der EU zu haben. Noch im Januar legte das Zentralamt für Landwirtschaft in einem deutschsprachigen Infoblatt penibel dar, war­ um die schwedische Tierhaltung besser sei. Auf die Kehrseite hoher Auflagen verweist jetzt Schwedens Bauernverband aus aktuellem Anlass: Nahezu die Hälfte ihrer Lebensmittel importieren die Skandina­vier inzwischen. Das kann kein Argument gegen mehr Umwelt­ oder Tierschutz sein. Es zeigt aber klar, dass der schwedische Weg längst nicht so segensreich ist, wie er oft darge­stellt wird.

Borchert-Kommission und Ackerbaustrategie 2035

Pläne für die Zukunft der Land­wirtschaft in Deutschland liegen übrigens auf dem Tisch. Sie könnten längst diskutiert wer­den. Dazu muss man nicht das Ende der Coronakrise abwarten. Das anspruchsvollste Projekt ist zweifellos der Umbau der Nutz­tierhaltung. Den Plan dafür legte die Borchert­-Kommission schon Anfang des Jahres vor. Enthalten ist darin ein Kniff, wie ein Ab­sturz à la Schweden verhindert und die Tierhaltung im Land ge­halten werden kann. Seit das Kompetenznetzwerk seinen Vorschlag der Bundesministerin übergeben hat, passierte – nichts. Auch von der ei­genen „Ackerbaustrategie 2035“ ist seit der medien­wirksamen Präsentation kein Wort mehr aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium zu hören.

Überraschende Studie aus dem Umweltbundesamt

Plötzlich zurück in den Kreis ernstzunehmender Diskussionsteilnehmer meldet sich das Umweltbun­desamt. Seine äußerst bemerkenswerte Studie deckt Schwächen des Ökolandbaus wie des konven­tionellen Ackerbaus gleichermaßen auf. Die Lösungsansätze könnten der Debatte um den wissenschaftlich­technischen Fortschritt einen neu­en Schub versetzen. Zu befürchten ist aber, dass ihr dasselbe Schicksal blüht wie anderen Strategien und Konzepten: Sie landen in der Schublade. Da aber gehören Zukunftsdiskussionen nicht hin.


Ackerfutter in MV wächst durchschnittlich

Die Bedingungen auf dem Grünland sorgten in diesem Frühjahr in Mecklenburg-Vorpommern für einen ungewöhnlich zeitigen Vegetationsbeginn. Fehlende Niederschläge könnten aber die Erträge beeinträchtigen. Der erste Teil der Serie „Futter aktuell“.

Von Marion Dunker* und Dr. Heidi Jänicke*

Der Februar 2020 war in Mecklenburg-Vorpommern regenreich und im Vergleich zum langjährigen Mittel viel zu mild. Diese Bedingungen beschleunigten den ungewöhnlich frühen Vegetationsbeginn und ließen eine frühe Schnittreife der Futteraufwüchse erwarten. Kühleren Tagen im März folgten bisher im April Tage mit viel Sonnenschein, Nächte mit Frostgraden und austrocknenden Winden. Ausbleibende Niederschläge führten zu mangelnder Bodenfeuchte, die sich je nach Standort zunehmend negativ auf den Pflanzenwuchs auswirken könnte.

Beprobung des Ackerfutters in M-V

Am 14. April wurde mit der Beprobung des Ackerfutters begonnen (Tabelle), um die Reifeentwicklung zeitnah zu begleiten. Die Probenahmen auf 18 repräsentativen Flächen in Mecklenburg-Vorpommern ermöglichen Hinweise auf den möglichst optimalen Schnittzeitpunkt. Das Ziel sind hierbei energiereiche und hochwertige Grassilagen.



Der früh einsetzende Massezuwachs lässt an einigen Standorten etwas höhere Trockenmasse(TM)-Erträge erwarten. Im Mittel sind die Aufwüchse des Ackerfutters in MV im Vergleich zu früheren Jahren als durchschnittlich einzuschätzen. Für eine beprobte Futterroggenfläche (Fläche 1) steht mit 56,9 dt TM/ha ein mehr als doppelt so hoher Ertrag als bei Ackergras für Mitte April diesen Jahres gegenüber.

Futterroggen in Mecklenburg-Vorpommern

Auch zeigt der Futterroggen weitere Unterschiede in den qualitativen Parametern. Mit 268 g/kg Rohfaser bzw. 293 g/kg ADFom ist er deutlich faserreicher als das Ackergras auf den vier anderen Probeflächen mit entsprechend  geringerer Verdaulichkeit (54,7 ml/200 mg TM) und mit 6,4 MJ NEL/kg TM erheblich energieärmer. Der Rohproteingehalt liegt mit 153 g/kg TM im gewünschten Bereich, ebenso Rohasche mit 81 g/kg TM und Rohfett mit 32 g/kg TM, bei einem Zuckergehalt von 147 g/kg TM.


Die Probefläche auf diesem Ackergrasschlag in Zarnekow bei Demmin befindet sich repräsentativ mitten im Bestand. Foto: Wieland Niecke

Mehr aus der Serie „Futter aktuell“

1. Reifeschätzung für den ersten Grünlandschnitt 2021


Ackergras von Wasserverfügbarkeit abhängig

Das Ackergras ist mit seinen niedrigen bzw. moderaten Fasergehalten in der weiteren Entwicklung besonders von der Wasserverfügbarkeit abhängig. Die Rohfettwerte mit über 40 g/kg TM und  sehr hohe Zuckergehalte repräsentieren  die noch jungen Aufwüchse. Das gilt ebenso für die Verdaulichkeit, hier mit dem Parameter Gasbildung (im HFT), der natürlich noch sehr hoch ausfällt. Die sehr hohen Energiegehalte von durchschnittlich 7,8 MJ NEL/ kg TM resultieren aus den niedrigen Fasergehalten und den hohen Verdaulichkeits- und Rohfettwerten. 


*Marion Dunker, LUFA Rostock der LMS Agrarberatung,
*Dr. Heidi Jänicke, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern


Maisaussaat: Vom Winde verweht

Staubwolken wirbeln über den feinsandigen Boden. Trotzdem müssen die Maschinen laufen, die Maiskörner gelegt werden. Die Zeit drängt.

Von Sabine Rübensaat (Text und Fotos)

Frank Lindemann und Harry Wulff treffe ich gegen elf Uhr auf dem Acker in Rhinsmühlen, Brandenburg. Blauer Himmel, Waldbrandgefahrenstufe 4. Frank hievt gerade die schweren Säcke vom Hänger und Harry schüttet das gebeizte Saatgut in die Behälter der 16-reihigen Einzelkornlegemaschine für die Maisaussaat. „Da haben Sie aber Glück, Sie kommen gerade rechtzeitig! Wenn das nämlich drin ist, dauert es Stunden, bis wir wieder befüllen.“ Das hieße für mich: Keine Bilder, Pech gehabt. Ein Behälter fasst 55 Liter. Frank ist bereits seit sechs Uhr auf den Beinen.



Der Tag ist, saisonbedingt, lang. „Gestern bin ich gegen 21 Uhr fertig geworden.“ Und gestern – das war der 8. April – ging es los. Lindemann und Wulff sind langjährige Mitarbeiter von Lohnunternehmer Erwin Klaaßen aus Wagenitz, mit dem ich noch tags zuvor wegen dieses Termins telefoniert habe. „Melden Sie sich einfach, wenn Sie in Stechow sind, dann gebe ich Ihnen die Koordinaten.“ „Und wenn wir kein Netz haben (durchaus möglich in Brandenburg)?“ „Dann fahren Sie einfach nach Rathenow, das klappt immer.“

Gearbeitet wird mit der drei Jahre alten Einzelkornlegemaschine Kverneland Optima HD mit Section Control RTK-System, das ermöglicht die Überwachung jeder einzelnen Reihe, GPS-basiert. Zwölf Meter Arbeitsbreite, 16 Reihen im Abstand von 75 cm. Maisaussaat mit Unterfußdüngung.



Harry, der letzte Woche noch Gülle in der Nähe von Leipzig gefahren hat, sagt: „Der Kunde gibt uns die Bedingungen vor. Der Schlag hier ist 52 Hektar groß und es sollen 75.000 Körner pro Hektar gelegt werden, in einer Tiefe von fünf bis acht Zentimetern. Die Tiefe ist wichtig! Gerade bei der jetzigen Trockenheit auf diesem sandigen Boden ist dort vielleicht noch etwas Feuchtigkeit. Wir legen Hybridmais von DeKalb, der Dünger ist von Timac.“

Hitze im Cockpit bei der Maisaussaat

Bevor es losgeht, repariert Harry noch schnell die Klimaanlage im Cockpit, denn in der Kabine kann es ganz schnell 50 Grad und noch heißer werden – unzumutbar; dann übernimmt Frank und startet die tonnenschwere Maschine. Staub wirbelt auf, wir gehen in Deckung, im Nu ist die Linse der Kamera eingestaubt. Oje!

Wulff prüft mit dem Zollstock nochmal die Ablagetiefe und die Abstände der einzelnen Körner. „Passt!“ Sein Handy klingelt, der Chef ist dran, erkundigt sich, ob alles läuft. „Klar.“ Lindemann hat inzwischen das Teilstück bearbeitet und setzt um. Eine Allee teilt die Fläche. Auf der anderen Seite ist der Boden etwas feuchter, aber die Staubwolken sind weithin sichtbar.

Nach dem Vorgewende und der Umfahrung eines Blühstreifens stoppt Lindemann plötzlich, springt aus dem Traktor und macht sich an den Schläuchen zwischen Schlepper und Sämaschine zu schaffen. „Was ist los?“ „Druckabfall, die Dichtung von der Hydraulikeinheit ist gerissen.“

Aus der großen Transportkiste vor dem Schlepper werden in Windeseile die passenden Ersatzteile geholt und eingesetzt, sodass es weitergehen kann. „Wir müssen sehen, wie wir klarkommen. Unsere Vertragswerkstatt schickt in der Coronakrise keine Mitarbeiter raus. Wir müssten mit der Technik hinfahren, das dauert, weite Wege. So improvisieren wir.


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Video (c) Sabine Rübensaat

Unsere eigene Werkstatt ist auch unterbesetzt. Ein Mitarbeiter aus Polen ist erst mal zu Hause. Der fehlt uns jetzt natürlich.“ Von Frank und seiner Sämaschine ist nichts mehr zu sehen, am Horizont nur noch eine Staubwolke.

Tagelang Wasser marsch

Apropos Staubwolke, Harry erzählt von seinem Einsatz letztes Jahr beim Großfeuer in Treuenbrietzen. Jeder hat noch die Bilder mit den riesigen Rauchschwaden, vom Flugzeug aus fotografiert, vor Augen. Beim Maishäckseln kam der Anruf von der Feuerwehrleitstelle, ob sie aushelfen könnten. Ihr Güllefass, der Mercedes Zetros, 25.000 l, würde dringend benötigt.

Kurze Absprache mit Klaaßen Junior, dann ging es mit Polizeieskorte über die Autobahn. Ein Erlebnis der besonderen Art. Danach Schwerstarbeit, 48 Stunden am Stück Wasser fahren. Ein Foto auf dem Handy verdeutlicht das eindrucksvoll, und wie auf Kommando klingelt es erneut. Erwin Klaaßen ist wieder dran, fragt nach. „Klar, Maschine läuft wieder.“ Die Frage an mich: „Na, haben Sie alle Bilder im Kasten?“

„Ja, nur die Kamera ist total eingestaubt.“ „Ja, ja, kein Wunder, wir brauchen Regen, Regen, Regen. Dringend!“ Für Ende August haben wir uns erneut verabredet. Nur so viel: Frührodung von Ökozuckerrüben mit einer umgebauten ROPA Tiger, angebaut in Dämmen, 75 cm Reihenabstand …

Harry packt zusammen und dann kommt doch noch die entscheidende Frage …. „Butter oder Sauce hollandaise?“ Ja, beim Spargel scheiden sich die Geister.


DLG-Feldtage auf 2021 verschoben

Die DLG-Feldtage 2020, die vom 16. bis 18. Juni auf Gut Brockhof im nordrhein-westfälischen Erwitte/Lippstadt geplant waren, werden zum Schutz vor dem Coronavirus auf 2021 verschoben.

„Die weitere Ausbreitung des Coronavirus sowie die damit verbundenen behördlichen Maßnahmen zwingen uns, die DLG-Feldtage 2020 zu verschieben“, sagt Dr. Reinhard Grandke, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Man bedauere, dass die DLG-Feldtage nicht zum geplanten Termin stattfinden können. Laut Grandke müssen „jedoch die Gesundheit und Sicherheit der Besucher und Aussteller oberste Priorität haben“.

Neuer Termin der DLG-Feldtage: 8. bis 10. Juni 2021

DLG-Feldtage
Blick ins Gelände aus dem Jahr 2018 (c) DLG

Die Veranstaltung werde im Jahr 2021 trotzdem wieder auf Gut Brockhof in Erwitte/Lippstadt stattfinden. „Mit Gut Brockhof wird dem Top-Event der Pflanzenbauprofis auch im nächsten Jahr wieder ein exzellentes Ausstellungsgelände in einer hoch attraktiven landwirtschaftlichen Region zur Verfügung stehen“, sagt Andreas Steul, Projektleiter der DLG-Feldtage.

Zu den DLG-Specials 2021 gehören:
DLG-Special Ökolandbau
DLG-Special Gülle und Gärreste
DLG-Special Leguminosen

Digitale Angebote ab Mai 2020

Pflanzenbauprofis müssen in diesem Jahr trotzdem nicht auf das Informations- und Ausstellungsangebot der internationalen Leitausstellung verzichten. Unter dem Motto DLG-Feldtage „digital“ wird die DLG zusammen mit Ausstellern und Partnern ab Mai regelmäßig über die geplanten Fachthemen der Ausstellung sowie über aktuelle Angebote und Innovationen in unterschiedlichen digitalen Formaten informieren.


Weitere Informationen finden Sie HIER.

Milchmarkt: Kleinere Menge nur durch finanzielle Anreize

Wichtige Signale am Milchmarkt weisen auf sinkende Auszahlungspreise hin. Auch die Milchproduzenten in Mecklenburg-Vorpommern sind beunruhigt. Wir fragten bei Verbänden und Erzeugergemeinschaften nach.

Von Gerd Rinas

Georg Maas, Milchbauer und BDM-Teamleiter in M-V:

Der Abfluss der Milch stockt. Im Inland fallen Großverbraucher und Gastronomie als Kunden aus, der Export nach Italien ist eingebrochen, Märkte in Asien können aus logistischen Gründen nicht ordentlich beliefert werden“, sagt Georg Maas, Milchbauer in Lützow bei Schwerin und BDM-Teamleiter in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Coronakrise wirke sich auf den nationalen und internationalen Milchmarkt aus. Bundesweit fordere eine Reihe von Molkereien ihre Milchlieferanten auf, die Produktion einzuschränken. „In Mecklenburg-Vorpommern hat dies meines Wissens bisher nur die Ostseemolkerei in Wismar getan.

Wir müssen die Milchmenge in der EU kurzfristig, verbindlich, zur Not auch entschädigungslos reduzieren. Wenn wir jetzt anfangen, nach Geld für eine Entschädigung der Milchdrosselung zu suchen, vergeht Zeit, die wir nicht haben“, argumentiert Georg Maas.


Gerd Göldnitz, Vizepräsident des Bauernverbandes M-V:

Deutsche Molkereien seien unterschiedlich, je nach Ausrichtung und Exportanteil von der Krise betroffen. „Ich sehe die Molkereien in der Pflicht, jetzt die DBV-Milchstrategie 2030 umzusetzen, in der die Vertragsbeziehungen zwischen Erzeugern und Molkereien klar geregelt sind.

Dazu zählen auch Möglichkeiten, auf Marktschwankungen zu reagieren“, sagt Gerd Göldnitz, Vizepräsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Milcherzeuger müssten ihre Produktion dem Milchmarkt anpassen. Dazu sei es notwendig, dass die Vertragsmolkerei frühzeitig Kontakt mit den Lieferanten aufnimmt und auf die drohende Überschusssituation hinweist.

„Kommt es dennoch zur Überproduktion, müssen sich Erzeuger auf deutlich geringere Preise für schlecht vermarktbare Milch einstellen“, so Göldnitz. Die staatliche Bezuschussung der privaten Lagerhaltung sei für eine moderate Milchmenge in Ordnung. „Riesenmengen einzulagern, bringt nur eine vorübergehende Preisglättung, die gelagerte Menge drückt dann aber lange auf den Markt“, so Göldnitz.


Peter Guhl, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Nord MEG:

„Wir standen über Ostern mit Vertretern bäuerlicher Verbände in mehreren EU-Mitgliedsländern in intensivem Austausch darüber, wie man der heraufziehenden Milchmarktkrise begegnen sollte“, sagt Peter Guhl, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Nord MEG. 

Grundsätzlich sei er der Auffassung, dass Milchmenge, die weder verarbeitet noch verkauft werden könne, gar nicht erst die Molkerei erreichen dürfe. „Dazu müssen EU-weit wirksame Maßnahmen ergriffen werden. Ich sehe die EU-Kommission in der Verantwortung, schnell ein effektives Programm zur Milchmengenreduzierung aufzulegen“, fordert Guhl, der sich auch in der Bundesvertretung der Freien Bauern engagiert.

Die von diesem Verband ins Spiel gebrachte Reduzierung der Milchanlieferung um zehn Prozent basiere darauf, dass bundesweit der Selbstversorgungsgrad bei Milch dauerhaft 112 % erreicht, erläuterte der Landwirt. Die vom Deutschen Bauernverband geforderte Eröffnung der privaten Lagerhaltung zur Stützung der Milchpreise lehnt Guhl ab, weil damit das Problem nicht gelöst werde.


Dr. Kathrin Naumann, Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft „Qualitätsmilch“ Bützow:

Nur die schnelle und europaweite Reduzierung der Milchmenge könnte die Schieflage am Markt mildern. „Individuelle Lösungen auf Molkereiebene sind aus unserer Sicht nicht sinnvoll“, sagte Dr. Kathrin Naumann, Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft „Qualitätsmilch“ Bützow.

Klar sei aus Sicht der Bützower Milcherzeuger ebenfalls, dass es eine marktentlastende Mengenreduktion mit freiwilligen und entschädigungslosen Maßnahmen zur Einschränkung der Milchproduktion nicht geben wird. Die diskutierten Strafzahlungen für jene Landwirte, die ungebremst weiter produzierten, hätten keine gesetzliche Basis.

Kurzfristig könne die Intervention bzw. die private Lagerhaltung Druck aus dem Markt nehmen. Sie sei derzeit das einzige gesetzlich abgesicherte Instrument. Allerdings werde dadurch das Problem nur verschoben. „Eine zügige, spürbare Reduktion der Milchmenge ist nur durch finanzielle Anreize zu erreichen. Aus unserer Sicht muss dieser Weg politisch eingeschlagen werden, bevor das Geld in die Intervention gesteckt wird“, betont Naumann.


Schafhaltung in Neuseeland: Schafschur im Minutentakt

Während früher in der Schafhaltung Neuseelands viel Wert auf Wolle gelegt wurde, kommt es heute vor allem auf die Erzeugung von hochwertigem Lammfleisch an.

Von Fritz Fleege

Neuseeland ohne Schafe kann man sich kaum vorstellen. Als die Wollpreise in den 1980er-Jahren noch hoch waren, zählte man über 70 Millionen Schafe. Seitdem die Preise in den Keller rutschten, sind es nun kaum mehr als 28 Millionen Tiere.

Dennoch stehen sie weiterhin hoch im Kurs. Schafe werden heute in Neuseeland nicht mehr wegen ihrer Wolle gehalten, sondern vor allem, um hochwertiges Lammfleisch zu erzeugen.

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Schafhaltung in Neuseeland: Farm in Taranaki

Eine solche Farm ist die von Samuel und Laura Werder nahe Stratford auf der Nordinsel Neuseelands in der Region Taranaki. Die Farm verfügt über 370 ha Grasland, wo neben 1.700 Schafen nun noch Herefordrinder – 120 Mutterkühe und 150 Mastbullen – weiden. Neuerdings werden auch Jerseykälber zugekauft und aufgezogen, um sie später als Zuchttiere verkaufen zu können.

Hauptarbeit auf den Flächen sind die Weidepflege und der Zaunbau. Wenn die Schafe geschoren werden, helfen dabei noch Verwandte des Ehepaares, denn Schafschur wird heute noch als regelrechter Volkssport in Neuseeland betrachtet. Dabei gibt es neben der Disziplin der Schur noch das Woll-Handling sowie das Ballenpressen.

Schafe schären: Wolle in einem Stück

Um die Wolle zu gewinnen, bedarf es einiger Fingerfertigkeit. ln Neuseeland schert man nach einer speziellen Methode. Ziel ist es, die Wolle „in einem“, also zusammenhängend, vom Schaf zu lösen, natürlich ohne das Tier oder sich selbst zu verletzen. Es werden sogar mit dem „Golden Shears Championship“ internationale Wettbewerbe ausgetragen. Ein solcher findet alljährlich im März im Wairarapa-District bei Wellington auf der Nordinsel statt. Dort kann man drei Tage lang echte Schafscherer wetteifern sehen. Den Rekord im Schafescheren hält allerdings ein Australier. Jackie Howe schaffte 321 Schafe in sieben Stunden und 40 Minuten. Wahnsinn!

Auch auf der Werder-Farm müssen die Schafe geschoren werden. Einmal im Jahr, meistens im März, sind die Mutterschafe dran. Im November werden die vier Monate alten Lämmer geschoren, damit sie zum Zeitpunkt des Verkaufs ein kurzes Fell tragen. Die Prozedur läuft dabei ähnlich wie bei den Meisterschaften ab. Die Lämmer, die man von der Weide in den Stall holt, werden dann auf einer Bühne geschoren. Vier Scherer, darunter auch Samuel Werder, sind bei der Arbeit.

Jeder holt sich ein Lamm, klemmt es sich zwischen die Beine und schert es mit der Maschine. Am Kopf beginnend, dann über Hals, Bauch, Beine und Rücken bis zum Schwanz ist das Vlies in gut einer Minute vom Tier. Über eine Rutsche gelangen die Lämmer dann nach draußen und laufen gleich auf die Weide, wo sie herkamen. Allerdings befindet sich die Mutter dann schon auf einer anderen Koppel.

Die Schafwolle wird von drei Personen auf der Bühne eingesammelt und maschinell gepresst in Säcken verstaut. Die 1.495 Lämmer auf der Werder-Farm waren an einem Tag geschoren. Pro Tier lieferten sie etwa 1 kg Wolle. Der Preis dafür (4 NZ$/kg bzw. 2,40 €/ kg) lohnt kaum das Scheren.

Lammfleisch als Haupteinnahmequelle

Die Lämmer werden dann noch einige Wochen auf der Koppel gemästet und mit einem Lebendgewicht von etwa 35 kg (17 bis 18 kg Schlachtgewicht) abgeliefert. Lammfleisch ist heute die Haupteinnahmequelle der Schäfer. Ein Tier bringt etwa 130 bis 140 NZ$, was 80 bis 85 € entspricht. Samuel Werder hat sich für die Zucht von Romneyschafen entschieden. Die ursprünglich aus England stammenden Tiere haben sich in den letzten Jahrzehnten in Neuseeland als wichtigste Rasse etabliert.

Sie zeichnet sich unter den verschiedensten klimatischen Bedingungen und Managementsystemen durch ihre Fähigkeit aus, hochwertiges Fleisch und gute Wolle zu produzieren. Die Klauen sind resistent gegen Moderhinke und das Vlies trotzt auch rauem Wetter. Ziel von Farmer Werder ist es, je Hektar Land etwa 1.000 NZ$, bzw. 600 € an Einkünften zu erzielen. Durch gutes Management hat er es in den letzten Jahren gut geschafft.

Einen noch anderen Weg bei der Schafhaltung hat Familie McMillan eingeschlagen. Einst war Heather McMillan als Farmberater tätig. Im höheren Alter wollte er es mit seiner Frau langsamer angehen und entschied sich für die Haltung von Milchschafen auf seiner kleinen Farm. So haben sie sich in Springston auf der Südinsel Neuseelands auf die Haltung von Milchschafen spezialisiert.

Käsespezialitäten aus Schafsmilch

Derzeit werden 170 Schafe gemolken. Man startete mit Tieren der Laucane-Rasse, die ursprünglich aus Frankreich stammten, wo man aus ihrer Milch den bekannten Roquefort-Käse herstellte. Bei dieser Rasse handelt es sich um ein kräftiges, mittelgroßes, widerstands- und anpassungsfähiges Schaf. Es ist frühreif und frohwüchsig, zeichnet sich durch gute Fruchtbarkeit aus und besticht durch seine gute Milchleistung mit sehr hohen Inhaltsstoffen. Immerhin enthält die Milch über 17 % Fett und Eiweiß. Die Schafe erhalten auf der kleinen Farm ganzjährig Weidegang.

Im April kommen Böcke in die Herde. Nach einer etwa fünfmonatigen Tragezeit lammen sie dann im September/Oktober, also im dortigen Frühling ab. Meistens kommen Zwillingslämmer zur Welt. Je Mutterschaf werden im Durchschnitt 1,8 Lämmer geboren. Sie bleiben sechs Wochen bei den Muttertieren und werden dann abgesetzt. Erst danach werden die Schafe gemolken. Der Milchentzug erfolgt in einem speziellen Side-by-Side-Melkstand mit 16 Plätzen und Schnellaustrieb. Die Schafe geben pro Tag durchschnittlich 1,6 l Milch. Die Milch wird von einer Molkerei abgeholt und dort zu Käse verarbeitet. Künftig will man daraus auch noch Joghurt herstellen.

Schafhaltung in Neuseeland: Fazit

Trotz Bestandsabbau hat die Schafhaltung in Neuseeland mit 28 Millionen Tieren große Bedeutung. Vorrang hat aber nicht mehr die Erzeugung von Wolle, sondern die von Lammfleisch, das in alle Welt exportiert wird. Auf einigen Farmen wird auch Schafsmilch erzeugt und daraus Spezialkäse bereitet.

Die Aromafänger von Landfactur

Handgemachtes für den Gaumen kommt aus der Landfactur in Kirchheilingen. Jetzt stagniert der Absatz. Doch die Genussmacher aus Thüringen setzen auf bessere Zeiten. 

Von Birgitt Schunk (Text und Fotos)

Der 13. März war in diesem Jahr ein Freitag. „An diesem Tag hatten wir die Kuchen für die Feier am darauffolgenden Sonnabend schon alle gebacken, als die Veranstaltung abgesagt wurde“, erzählt Christel Duft, die Chefin der Landfactur GmbH in Kirchheiligen. Es gab neue Ansagen zum Corornavirus, das öffentliche Leben wurde noch weiter runtergefahren, Feiern waren tabu.

„Von da an ging es fast auf null, was den Absatz angeht.“ Dennoch versuchte man seither, notwendige Arbeiten draußen fortzuführen. Mitte März bekamen die Weinreben den Frühjahrsschnitt. Ehe die Trauben im Herbst reif sind, wird noch viel Wasser die Unstrut entlang fließen. „Wir hoffen, dass es dann wieder halbwegs normal weiter geht.“ 

Der Hofladen von außen: Im Inneren warten regionale Köstlichkeiten auf ihre Käufer.

Die Landfactur im thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis hat sich in den zurückliegenden Jahren einen guten Namen erarbeitet.  Fleischbrühe vom Täubchen, ein Glas Unstrut-Wein und Butterplätzchen, die auf der Zunge zergehen, kommen von hier. Feinen Senf gibt es ebenso wie Öle, Marmeladen und edle Liköre – und das alles handgemacht. Die Qualitätsprodukte, die gerne auch verschenkt werden, werden in Coronazeiten allerdings nicht sonderlich nachgefragt. Dennoch ist man in der Landfactur der Agrargenossenschaft Kirchheilingen überzeugt von diesem Angebotsprofil – und um gute Ideen für den Gaumen nicht verlegen.

Von Jahr zu Jahr wurde das Angebot erweitert – nicht durch Zukauf, sondern nur durch das, was vor Ort verfügbar ist. „Es ist der Versuch, die kleinen Kreisläufe wieder zu etablieren“, sagt Frank Baumgarten, der zum Vorstand der ortsansässigen Agrargenossenschaft Kirchheilingen gehört.  Mit der Landfactur Geld zu verdienen, sei allerdings nicht so einfach. Es gibt schließlich immens viel Handarbeit, die für Personalkosten sorgt. Aber genau dafür will man die Augen öffnen und werben. Schnelle Erfolge und große Gewinne gibt es da erst mal nicht.

„Viele Leute beteuern, sie wollen wirklich gute Produkte vor der Haustüre kaufen, die noch zubereitet werden wie zu Großmutters Zeiten“, sagt Baumgarten. „Wir haben das Angebot, sich darauf einzulassen und wollen sehen, wie ernst es die Kunden damit meinen.“ Gerade in Zeiten des Coronavirus ist immer wieder davon die Rede, wie wichtig doch die regionalen Landwirte sind. Und die wollen rund um Kirchheilingen zudem den Menschen zeigen, wie Plätzchen, Senf, Torten oder Öl produziert werden.

Kaffeeklatsch als Rezeptbörse 

Durch Glasscheiben sehen die Besucher in „Friedenszeiten“, wie fleißige Frauen und Männer heute die Gaumenfreuden auf traditionelle Art und Weise herstellen. Das alles soll nicht in Vergessenheit geraten. Einmal im Monat sind am langen Tisch im Hofladen die Senioren der Umlanddörfer zum Kaffeeklatsch zu Gast – auch wenn jetzt erst einmal Zwangspause ist. „Sie sind eine gute Quelle, von hier kommt manch eine Anregung für Rezepte“, weiß Landfacturchefin Christel Duft. Mit Schulen arbeitet man ebenso zusammen, um die Kinder auf den Geschmack zu bringen und ihnen beispielsweise „Von der Blüte zum Apfel“ zu zeigen, wie vieles vor Ort wächst und verarbeitet wird.



Landfactur ist eine 100-prozentige Tochter der Agrargenossenschaft Kirchheilingen und wurde 2015 gegründet. Sie bewirtschaftet heute sogar einen kleinen Weinberg mit 7.500 Quadratmetern an der Unstrut bei Großvargula. Zuvor lag der Anbau der Trauben in den Händen einer Beschäftigungsgesellschaft. „Als hier Veränderungen anstanden, konnte so der Weinanbau fortgeführt werden“, berichtet Christel Duft.

Die Stiftung Landleben, in der die Agrargenossenschaft sich gemeinsam mit vielen weiteren Akteuren für den ländlichen Raum engagiert, pachtete das Land, übernahm die rund 3.000 Rebstöcke der Sorte Regent und somit die Weinrechte. Bis zu 3.000 Flaschen lässt man in Dienstleistung alljährlich von Weinprofis in Bad Sulza produzieren. Wenn die Weinlese ansteht, helfen viele Leute in der Region mit. „Weil es ihr Weinberg ist“, weiß Duft. Sie sind mit Schere und Eimer zumeist nur für ein Gläschen zum Anstoßen und ein Essen aus Spaß an der Freud‘ im Einsatz. Und mit den Weintrauben kamen auch noch Stachelbeeren sowie Rote und Schwarze Johannisbeeren hinzu.

30 Heidelbeersträucher werden ebenso abgeerntet, Holunderblüten zudem gesammelt. Auf Streuobstwiesen wachsen außerdem Äpfel, Birnen und Quitten heran. „Alles alte Sorten, die es heute kaum noch gibt.“  Ist alles per Hand geborgen, wird aus dem Obst Marmelade, Fruchtaufstrich, Saft oder Likör hergestellt. „Wir fangen ehrliche Aromen ein und bieten damit eine ganz besondere Qualität an. Wir wollen, dass die Menschen dies wieder schätzen“, sagt Duft. „Sie haben verlernt, wie saisonal schmeckt.“ Deshalb wollen die Genussmacher der kleinen Manufaktur den Verbrauchern dies wieder nahe bringen. Kunden können zudem in Kirchheilingen ihr eigenes Obst zu Saft verarbeiten lassen.

Die Mengen sind in der Landfactur natürlich begrenzt. Ist die Heidelbeermarmelade alle, gibt es erst mit der neuen Ernte Nachschub. „Wir kaufen kein Obst von sonstwoher zu, um es zu verarbeiten“, sagt Duft. Selbst die Walnüsse für den Senf stammen von Bäumen, die in der Region wachsen, und werden gesammelt.  Lediglich beim Ingwerlikör wird eine Ausnahme gemacht. „Ingwer wächst nicht vor der Haustüre und den Alkohol dürfen wir auch nicht selbst produzieren.“ Gesüßt wird der Likör übrigens mit Honig aus der Heimat.



Den Senf baut die Agrargenossenschaft selbst an. Auch hier hat man erst seine Erfahrungen machen müssen. Nicht jede Sorte ist geeignet, um daraus den würzigen Aufstrich für die Bratwurst zu produzieren. Die Senfproduktion ist das jüngste Kind der Landfactur. Lein fürs Ölpressen bezieht der Betrieb aus Bösleben. Die Zwiebeln fürs Chutney kommen aus Herbsleben. „Auch damit bleiben wir in der Region“, so die Landfactur-Chefin. 

Fleischtauben und Butterplätzchen 

Darüber hinaus hat der kleine Betrieb noch eine besondere Sparte. Die Agrargenossenschaft hält Fleischtauben, die hier vermarktet werden. Nach dem Kochen der Täubchen werden mit viel Handarbeit die Knochen entfernt, Brühe und Fleisch kommen ins Glas und werden vermarktet. „Daraus kann man eine schmackhafte, stärkende Suppe machen, die gerade in der kalten Jahreszeit gut tut“, sagt Christel Duft. Sie weiß, dass früher solche Mahlzeiten gerne den Frauen überbracht wurden, die entbunden hatten. So sollten die sogenannten Wöchnerinnen wieder zu Kräften kommen. „Daher der Name Wochensuppe.“ 

Die Plätzchen werden per Hand geformt und einzeln aufs Blech gelegt und die Kuchen sind auch schon fertig.

Gut im Geschäft ist die Landfactur auch mit ihrem Backwerk – und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Die Plätzchen gehen das ganze Jahr über gut. 18 Sorten sind im Angebot, von Hand gebacken wird wie zu Hause und natürlich mit Butter. Auch für Hochzeiten oder runde Geburtstage werden gerne Torten oder Kuchen bestellt. Doch auch diese großen Veranstaltungen wurden im März erst einmal auf Eis gelegt.

Ansonsten finden die Feiern wenige Schritte entfernt im Saal des „Alten Speichers“ statt, den die Agrargenossenschaft Kirchheilingen gepachtet hat und vermietet. Hier wird meist nicht nur Backwerk aus der Landfactur aufgefahren, sondern von der Schlachteplatte über Lammbraten bis zum Rinderfilet in Rotweinsoße auch Deftiges, denn die Genossenschaft betreibt ebenso eine Landfleischerei mit elf Filialen. Rinder, Schafe und Schweine, die hier vermarktet werden, stammen aus eigener Aufzucht oder Betrieben, mit denen man kooperiert.

Direktverkauf und Onlineshop 

An den Mann oder die Frau gebracht werden die Qualitätsprodukte der Landfactur im eigenen Hofladen in Kirchheilingen unmittelbar neben dem Verwaltungssitz der Agrargenossenschaft. Vom Verkaufsraum aus können Kunden die gläserne Produktion verfolgen. Doch auch hier wurde erst mal alles runtergefahren. Auf den Weg in den Supermarkt will man aber verzichten. „Wenn man es dorthin ins Regel schafft und seine Produktion dafür ausgebaut hat, kann es auch schnell passieren, dass man da wieder rausfliegt – darauf wollen wir uns nicht verlassen“, sagt Frank Baumgarten. Und so probiert man es im Direktverkauf und über den Online-Shop, über den einige Landfactur-Produkte wie Liköre, Säfte oder Fruchtaufstriche, aber natürlich auch Spezialitäten der Landfleischerei erhältlich sind.

Sieben Mitarbeiter hat die Landfactur. Sie ernten, backen, pressen und mahlen, doch sie sind auch in der Garten- und Landschaftspflege eingesetzt. Und sie tüfteln stets an neuen Ideen. „Wir sind sozusagen gleichzeitig unsere eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung“, sagt Christel Duft und hofft wieder auf bessere Zeiten.


Weitere Informationen unter www.landfactur.de 


Landtechnik während des Coronavirus

Die Landtechnik hat mit drastischen Schritten auf Coronavirus-bedingte Einschränkungen in den Zulieferketten reagieren müssen. Es zeigt sich, dass große Konzerne schneller betroffen sind, als mittelständische Anbieter.

Der LandBauTechnik-Bundesverband, die berufsständische Vertretung der Landmaschinenhändler, informiert auf seiner Webseite, dass die Landtechnik-Branche systemrelevant ist. Dafür hatten sich Vorstand und Geschäftsführung schnell eingesetzt.

Der Fachverband Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) informierte, dass es bei den Landtechnikherstellern teilweise Unterbrechungen der Lieferketten gebe. Viele der Zulieferer seien in Norditalien angesiedelt, wo die Pandemie besonders schlimm grassiere. Durch den kurzen Weg von Italien nach Deutschland macht sich der fehlende Nachschub schnell bemerkbar.

Aus China dagegen kommen noch Container an, die vor der Krise auf die Reise gingen. Wenn jetzt in China wieder produziert wird, kann die zeitliche Lücke durch die Nutzung der Luftfracht ausgeglichen werden.


Produktion dringend benötigter Güter

JCB in England wird im Kabinenwerk Gehäuse für Beatmungsgeräte fertigen, das Innenleben soll von Dyson kommen. Ansonsten ruht die Produktion, ausgenommen Ersatzteile. MF nutzt seine 3D­-Druckkapazitäten im Werk in Beauvais, Frankreich, zur Produktion von Rahmen für Gesichtsschutzschilder für das medizi­nische Personal in der Region. Ansonsten ruht dort seit dem 18. März die Produktion. Auch der Künzelsauer Ventilatorenhersteller Ziehl­ Abegg stellt Ge­sichtsschilde her, deren Gestelle mit 3D­-Technik gedruckt werden.


Noch sind bei den Herstellern und Händlern die Ersatzteilläger gefüllt. Fast alle großen Anbieter sind inzwischen so vernetzt, dass über die Lagerhaltungssysteme auch Ersatzteile bei anderen Händlern sicht- und bestellbar sind. Allerdings wird die Pünktlichkeit der Lieferungen nicht mehr immer möglich sein.

Bei den Händlern stehen sowohl Neu- als auch Gebrauchtmaschinen. Um den Abverkauf an die zögerlichen Kunden zu fördern, gibt Case IH jetzt Kunden in Deutschland, die bis zum 31. Juni einen Puma, Optum, Magnum oder Quadtrac kaufen, eine Garantieverlängerung. Dazu kommt die Teilnahme an der Verlosung eines Pick-up.

Claas fuhr Ende März die Serienfertigung am Standort Harsewinkel kontrolliert zurück. Die Produktion in Frankreich war bereits eher heruntergefahren worden. In Bad Saulgau dagegen wird ohne Unterbrechung Futtererntetechnik nach Plan produziert.

AGCO Fendt setzte Ende März trotz einer sehr guten Auftragslage die Produktion von Traktoren aus. Damit wurde auf ausbleibende Komponenten reagiert. Gleiches trifft seit KW 15 auf Hohenmölsen (Häcksler, Pflanzenschutzspritzen) zu. An den anderen Standorten Feucht, Waldstetten und Wolfenbüttel könne weiter produziert werden.

Entsprechend der Beschlüsse der französischen Regierung ruht in Beauvais die Produktion der Traktoren von Massey Ferguson. Ebenso ist es im italienischen Mähdrescherwerk. Neumaschinen-Auslieferung und Ersatzteilversand arbeiten.

Bei John Deere stand die Traktorenfertigung Ende März eine Woche still, es fehlten Motoren vom konzerneigenen Werk in Frankreich, das geschlossen ist. Mit Motoren aus der Logistikkette wird momentan wieder gearbeitet. Sogar in zwei Schichten, aber mit wenig Personal am Band und entsprechend langsamerer Taktzeit, um weniger Kontakt zwischen den Mitarbeitern zu ermöglichen.

Die Traktorenproduktion von Same Deutz-Fahr im italienischen Werk ruht schon länger, in Lauingen stehen nun auch die Bänder still.

Die Produktion von McCormick und Landini in Italien steht still.

Mittelständische Geräte- und Anhängerhersteller in Deutschland arbeiten momentan überwiegend weiter. Wer als Hersteller von Landtechnik eine hohe Fertigungstiefe in den eigenen Werken hat (Amazone) oder noch größere Lagerhaltung betreibt (Kotte), ist jetzt in Zeiten des Coronavirus im Vorteil. Nach Ostern werden vermutlich in ersten Werken Teile für Neumaschinen wie Schieber, Drehschieber, Hydraulikkomponenten oder Vakuumpumpen, die aus Italien bezogen werden, fehlen. AgE/red


Stille Helden landauf, landab

Das Coronavirus stellt uns auf die Probe. Doch es sind Zeiten wie diese, die zeigen, in welcher Gesellschaft wir leben. Und wo wir die Helden des Alltags finden – es gibt sie an vielen Orten.

Es kommentiert Bärbel Arlt

Es war im vergangenen Jahr an einem schönen Sommerabend. Die Familie saß beim Grillen zusammen. Plötzlich öffnete unsere Tochter eine Flasche Sekt und erzählte uns überglücklich, dass ihr Freund ihr einen Heiratsantrag gemacht hat. Nur wenige Wochen später die nächste wunderschöne Nachricht: „Wir werden Eltern und ihr Großeltern“, verkündete unser Sohn freudestrahlend.

Und fortan wurde sich gefreut, geplant, vorbereitet. Alles war so wunderbar – bis vor wenigen Wochen. Dann kam Corona und hat von heute auf morgen alles verändert. Zum Glück ist bisher niemand erkrankt. Und das soll auch so bleiben. Doch in die große Vorfreude haben sich viele Ängste gemischt. Der kleine Junge kommt in diesen Tagen zur Welt, und die für Mai geplante Hochzeit steht in den Sternen.

Warum erzähle ich Ihnen das?

Weil sich in das Große und Ganze dieser Zeit auch viele persönlichen Schicksale mischen. Da helfen keine Millionen Euro, keine Förderprogramme, keine Kredite. Doch es helfen Zusammenhalt, füreinander da sein und einfach nur ein paar aufmunternde Worte. Überall hat sich ein solidarisches Netz der Nachbarschaftshilfe entwickelt. Ich denke dabei an die vielen selbstlosen Helfer, die für andere da sind, vor allem auch in den Dörfern. Sie gehen einkaufen und erledigen Botendienste, ortsansässige Betriebe beliefern Senioren weiterhin mit Mittagessen.


Redakteurin Bärbel Arlt
Bärbel Arlt ist Redakteurin im Ressort Dorf und Familie/Landleben. (c) Sabine Rübensaat

Und landauf, landab lassen Landfrauen die Nähmaschinen rattern, um helfende Gesichtsmasken zu nähen – für die Familie, fürs Dorf, für soziale Einrichtungen und Krankenhäuser. Sie alle tun das ganz selbstlos und wollen keine großen Worte darüber verlieren – „weil das selbstverständlich ist und wir das einfach gern machen“, sagte mir eine Landfrau aus Sachsen am Telefon. Ja, es sind diese stillen, bescheidenen ehrenamtlichen Helden des Alltags, ohne die wir diese Coronakrise nicht bewältigen können. Und dafür gebührt jedem einzelnen Dank und Anerkennung.

Wir erleben in diesen Tagen, wie sich das Leben auf dem Land, in den Dörfern verändert, sich aber auch neugestaltet. Menschen rücken wieder zusammen, vertrauen und verlassen sich aufeinander. Es ist eine neue Kultur des Wertschätzens und Miteinanders entstanden. Das macht Mut, gibt Hoffnung. Und ist das nicht ein schönes Gemeinschaftsgefühl! Bleibt zu hoffen, dass es nach der Krise nicht einfach wieder verloren geht.

„Du musst zuversichtlich sein“

„Du musst zuversichtlich sein“, sagte mir meine Mutter am Telefon. „Ich habe als kleines Mädchen den Krieg erlebt, ich habe in der DDR oft vor leeren Regalen gestanden. Kind, das wird schon wieder alles.“ Ich möchte die 83-Jährige in den Arm nehmen – doch das geht leider nicht, ist sie doch 160 Kilometer entfernt. Doch ich werde sie wieder in den Arm nehmen können – und dann sehr viel intensiver als bisher. Auch mein Enkelkind werde ich knuddeln und die Hochzeit wird es auch geben – irgendwann.

Übrigens: Im Erzgebirge haben die Menschen die Schwibbögen, die sonst nur zur Weihnachtszeit leuchten, wieder in die Fenster gestellt, und in der Oberlausitz leuchten die Herrnhuter Sterne. In Aue spielen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr auf der Drehleiter das Steigerlied, die Hymne des Erzgebirges. Ein junger Pfarrer spielt im kleinen südbrandenburgischen Prösen im Kirchturm auf der Trompete Kinderlieder.

Auch Helden brauchen mal eine Pause

Das alles sind Zeichen der Zuversicht, des sich gegenseitigen Mutmachens. Und genau das sollte auch das Osterfest sein, wenngleich es trotz aller Einschränkungen und Regeln kein Fest wie sonst sein wird. Machen wir es uns trotzdem angenehm! Färben Sie mit Ihren Kindern Ostereier, kochen Sie gemeinsam und lassen Sie mit Kreativität und Phantasie alte Bräuche wieder aufleben.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Osterfest und bleiben Sie gesund!


Hofläden: weniger Umsatz durch Corona

Wie ein Direktvermarkter die Folgen von Corona erlebt, erzählt Stefan Lüdke von den Gönnataler Putenspezialitäten aus Thüringen im Interview mit der Initiative Heimische Landwirtschaft.

Das Gespräch führte Paul-Philipp Braun für Heimische Landwirtschaft

Heimische Landwirtschaft: Herr Lüdke, lassen Sie uns doch erst einmal kurz über Ihren Betrieb sprechen. Wie groß ist er, was macht ihn aus?
Stefan Lüdke: Unsere Gönnataler Putenspezialitäten GmbH hat etwa 80 Mitarbeiter, die sich um die Zubereitung und Vermarktung des in der Gönnatal-agrar eG aufgezogenen Geflügels kümmern. Jede Woche schlachten wir etwa 1.000 Puten, die wir dann verarbeiten. Im Saisongeschäft von November bis Weihnachten kommen noch etwa 10.000 Gänse hinzu.

Alle fünf Wochen bekommen wir etwa 5.000 Eintagsküken. Die sind dann – wie der Name schon sagt – einen Tag alt und werden im Gönnatal 16 Wochen lang aufgezogen. Dann beginnen wir mit der Schlachtung und Verarbeitung.

Was heißt in diesem Zusammenhang Verarbeitung?
Wir erzeugen ganz verschiedene Produkte: Von Hand geschnittene Schnitzel und Putensteaks aus der Keule gehören ebenso zu unserem Sortiment wie Schinken oder Salami. Das alles wird dann zum Teil über unsere eigenen Fachgeschäfte in Jena, Gotha und Weimar, unseren Hofladen, auf Wochenmärkten oder auch den Einzelhandel vertrieben. Außerdem beliefern wir Mensen und Restaurants und haben mit „Buffet:ok“ einen Bio-Kisten-Lieferdienst. Hauptgeschäft des Buffet:ok ist allerdings die Versorgung von Kitas und Schulen mit warmen Mahlzeiten.

Die aktuelle Corona-Krise geht an keinem spurlos vorbei. Wie ist das bei Ihrem Unternehmen?
Unsere Vermarktungsstruktur ist so, dass wir viele Abnehmer aus unterschiedlichen Branchen haben. Bis vor wenigen Wochen haben wir noch die Mensen des Studierendenwerks Thüringen beliefert, die haben jetzt ihren Betrieb eingestellt. Auch Krankenhäuser zählen zu unseren Kunden. Weil dort nun Betten freigehalten werden, macht sich auch bei uns dort ein Umsatzrückgang bemerkbar. Zu unseren Kunden zählen auch viele Restaurants, die jetzt geschlossen sind und keine Ware benötigen.

Zuwächse gibt es allerdings bei der Belieferung des Lebensmitteleinzelhandels, dort wird derzeit mehr Ware geordert. In unseren eigenen Geschäften schwankt der Umsatz hingegen sehr. Während sich die Leute vor zwei Wochen noch eingedeckt haben, sah es in der letzten Woche weniger gut für uns aus. Da hatten wir einen Umsatzeinbruch von fast 50 Prozent.

Wie kommt das? Sind die Leute nach der ersten Woche satt?
Ich denke, das liegt vor allem daran, dass die Innenstädte inzwischen relativ leer sind und wenige Menschen in der Stadt unterwegs sind. Wir haben in jedem Geschäft einen eigenen Imbiss, in dem wir Essen kochen und wo auch vor Ort Speisen verzehrt werden konnten. Das ist jetzt nicht mehr möglich.

Sie bedienen auch Wochenmärkte. Wie sieht es dort aus?
Nach wie vor sind wir auf verschiedenen Wochenmärkten präsent und verkaufen dort auch gut. Außer in Apolda – der wurde vom Krisenstab der Stadt geschlossen. Diese Entscheidung ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, aber wir müssen es akzeptieren.

Die aktuelle Situation ist aber nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem gesundheitlich angespannt. Wie schützen Sie sich selbst und auch Ihre Mitarbeiter in dieser Zeit?
Wir versuchen so gut es geht einen Abstand zueinander zu halten und im Betrieb müssen alle Mitarbeiter Mundschutz und Einweghandschuhe tragen. Außerdem reinigen wir inzwischen mehrfach täglich die Türen und Türklinken mit Desinfektionsreiniger.

Grundsätzlich ist aber wichtig zu wissen, dass die Fleischverarbeitung in Deutschland schon vor dem Coronavirus sehr hohen Hygienestandards unterlag. Die behalten wir jetzt natürlich umso mehr bei.

Und wenn ich mir meine Produkte nicht bei Ihnen abholen kann, weil ich zum Beispiel zu einer Risikogruppe gehöre?
Dann haben wir einen Lieferservice. Den haben wir jetzt sogar ausgebaut. Denn während Schulen und Kindergärten geschlossen haben, hat unser Buffet:ok freie Kapazitäten, um unsere Produkte zusammen mit den Bio-Kisten zu den Kunden zu bringen. Die Nachfrage nach Bio- Kisten hat sich nahezu verdoppelt.

Was muss ich mir unter so einer Bio-Kiste vorstellen?
In einer Bio-Kiste können verschiedene Produkte, wie Brot, Gemüse, Obst, Müsli oder Milchprodukte aus kontrolliertem biologischem Anbau bestellt werden. Soweit wie möglich beziehen wir von regionalen Erzeugern, packen die Kisten entsprechend den Kundenwünschen und liefern dann direkt nach Hause.

Wenn Sie in der aktuellen Situation einen Wunsch äußern dürften, welcher wäre es?
Zunächst einmal wünsche ich mir, dass die Kunden weiterhin in unsere Geschäfte kommen, unsere Mitarbeiter gesund bleiben und außerdem – auch wenn ich nicht glaube, dass dies so schnell in Erfüllung geht – dass möglichst bald ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden wird.


Vielen Dank für das Gespräch und bleiben Sie gesund!


Raiffeisen-Agrarhändler schmieden Allianz

Die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main und Raiffeisen Waren wollen in Zukunft zusammenarbeiten. Davon wären auch Aktivitäten in Ostdeutschland betroffen. Von Fusion ist aber nicht die Rede.

Die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG Köln (RWZ) und die Raiffeisen Waren GmbH Kassel (RW) wollen künftig in „ausgewählten Geschäftsbereichen“ zusammenarbeiten. Welche das sein werden, ist nicht bekannt.

Herausforderungen machen Allianzen notwendig

Wie beide Unternehmen am Donnerstagnachmittag bekanntgaben, sehe man in Anbetracht der großen Herausforderungen in der Agrarbranche die Notwendigkeit sinnvoller Allianzen. „Die Chemie zwischen unseren Häusern passt gut. Wenn wir durch Zusammenarbeit stärker und vor allem leistungsfähiger werden, ist das im Endeffekt auch gut für unsere landwirtschaftliche Kundschaft“, wurden RWZ-Vorstandschef Christoph Kempkes und Mario Soose, Vorsitzender der RW-Geschäftsführung, zitiert.

Gespräche noch am Anfang

Noch befänden sich die entsprechenden Gespräche in der Anfangsphase. Schnittmengen gebe es regional, insbesondere in den neuen Bundesländern und fachlich im Agrargeschäft. Betont wurde, dass „die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit beider Unternehmen durch mögliche selektive Kooperationen nicht tangiert“ werde.

Die RWZ in Köln ist eigenen Angaben zufolge die drittgrößte im deutschen Agrarhandel tätige Hauptgenossenschaft. Das Geschäftsgebiet erstreckt sich über weite Teile von Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Sachsen, ganz Rheinland-Pfalz und das Saarland. Mit rund 2.600 Mitarbeitern an fast 150 Standorten setzte der RWZ-Konzern 2018 fast 2,1 Mrd. € um.

Auch in Ostdeutschland sehr aktiv

Die Raiffeisen Waren GmbH Kassel engagiert sich ebenso im Agrar- und Landtechnikhandel sowie in außerlandwirtschaftlichen Geschäftsfeldern. Bundesweit ist sie mit gut 200 Standorten in acht Bundesländern aktiv, darunter in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Mit fast 2.500 Beschäftigten wurde 2018 ein Umsatz von 1,42 Mrd. € erzielt. fh