Wie AgiL Landwirte und Lebensmittelunternehmen in Sachsen unterstützt
Seit gut drei Jahren unterstützt AgiL – Sächsische Agentur für regionale Lebensmittel Unternehmen der Ernährungsbranche in Sachsen beim Aufbau von Wertschöpfungsketten. Im Interview mit der Bauernzeitung zieht Teamleiterin Heike Delling Bilanz.
Frau Delling, wie ist der Stand der regionalen Wertschöpfung in der sächsischen Lebensmittelerzeugung?
Das Land Sachsen hat sich das Ziel gesetzt, die regionale Wertschöpfung entlang der gesamten Kette zu stabilisieren und zu erhöhen. Dies zu unterstützen, ist unsere Aufgabe; dafür gibt es AgiL.
Wie genau der Stand der regionalen Wertschöpfung in Sachsen ist, dafür bin ich – zumindest was statistische Zahlen angeht – nicht die richtige Ansprechpartnerin. Aus unserem Blickwinkel gesehen können wir aber bestätigen, dass es sich für die Unternehmen lohnt, mit den vorhandenen Ressourcen die eigene regionale Ausrichtung zu stärken.
Bei den einzelnen Kontakten zu Unternehmen in der Ernährungsbranche und Landwirtschaft spüren wir immer wieder, dass viele den Wunsch haben, Regionalität als zweites Standbein auf- oder auszubauen – als Ergänzung zum flexiblen Agieren am Weltmarkt. Das hat Vorteile, denn es bietet eine gewisse Sicherheit und eine Risikominderung gegenüber dem globalen Markt, wenn man mit anderen Akteuren in der Region transparent zusammenarbeitet.

Wie genau bringt sich AgiL in den Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten ein?
Vorwegschicken möchte ich, dass wir auf die gesamte Wertschöpfungskette ausgerichtet sind, also von der landwirtschaftlichen Erzeugung bis hin zum fertigen Endprodukt für die Verbraucher. Deshalb kommen sehr komplexe Fragestellungen auf uns zu, von betriebswirtschaftlichen Fragen, über Fachwissen zur Ernährungsbranche und zur Lebensmitteltechnologie bis hin zu rechtlichen Grundlagen wie Bestimmungen der Lebensmittelhygiene. Und mit dieser sehr breiten Aufstellung sprechen wir über verschiedene Beratungs- und Veranstaltungsformate die Akteure für regionale Lebensmittel an.
Vielfältige Formate: AgiL-Veranstaltungen und Beratungsangebote im Überblick
Welche Formate sind das?
Zum einen haben wir digitale Formate, die „Regionalmarketing-Akademie“ und „AgiL bespricht“, die sich bestimmten Themen widmen und ausgiebig besprochen werden. Das alles findet live statt, wird zum Nachschauen aber auch mitgeschnitten. Das heißt, wir bauen da auch einen Wissensspeicher auf.
Zum anderen haben wir die klassischen analogen Veranstaltungen wie runde Tische oder Werkstätten. Eine solche Werkstatt veranstalten wir beispielsweise für Hofmolkereien, mit denen wir in diesem Rahmen regelmäßig ganz spezifische Themen besprechen, die sie an uns herantragen.
Dann gibt es noch ein sehr großes Format, das Regionalforum. Das vierte Regionalforum findet am 31. März in Neukirchen im Erzgebirge statt. Der Schwerpunkt ist dort, Wertschöpfungskettenpartner zusammenzubringen für die Kulturregion Chemnitz und zu schauen, wie das Kulturgut Essen, wie regionale Lebensmittel in die Marketingstrategie für Chemnitz als Kulturhauptstadt 2025 eingebunden werden können. Des Weiteren veranstalten wir Fachexkursionen und präsentieren uns auf Branchenmessen.
Individuelle Beratung bei AgiL: Von Einzelfragen bis zur Prozessbegleitung
Gibt es auch individuelle Beratung?
Die gibt es. Und zwar in Form von Auskünften, bei denen wir schlicht Einzelfragen beantworten und niedrigschwelliger Ansprechpartner sind. In Form von Beratung, im Rahmen der Fachberatung einzeln oder in Gruppen. Das heißt, wir beraten unsere Klienten beispielsweise zur Lebensmittelkennzeichnung, damit sie handlungsfähig sind.
Wir beraten die Akteure, wenn sie Partner für die wirtschaftliche Zusammenarbeit suchen oder nach passenden Förderungen suchen. AgiL begleitet dann solche Prozesse, die nicht von heute auf morgen realisiert sind, auch über einen längeren Zeitraum im Rahmen unserer Prozessbegleitung
Partner für wirtschaftliche Zusammenarbeit
Hat sich Ihre Arbeitsweise über die Zeit verändert?
Wir haben insgesamt 17 Beratungsmodule entwickelt und unseren Beratungsprozess strukturiert. Und das sowohl nach innen als auch nach außen. Das heißt, wer sich an uns wendet, kann vorher abschätzen, was ihn erwartet. Unsere Beratungsmodule passen wir dem Bedarf an, der an uns herangetragen wird oder für den wir aus unseren Erfahrungen wachsende Nachfrage erwarten.
In der Öffentlichkeitsarbeit sind wir deutlich multimedialer geworden. Ganz wichtig ist es, dass wir uns mit parallel stattfindenden Projekten abstimmen. Etwa mit den Bio-Regio-Modellregionen, mit denen wir uns abstimmen, um uns nicht gegenseitig Themen streitig zu machen, oder eben auch, um bestimmte Dinge gemeinsam anzugehen.
Ich denke, insgesamt ist AgiL als kompetenter Ansprechpartner in der Branche bekannt, und die Zahl der Anfragen steigt entsprechend an.
Was überwiegt Ihre Arbeit: Veranstaltungen oder individuelle Beratung?
Rein zahlenmäßig überwiegen die Beratungen und Auskünfte, die sich sehr zielgenau, aber naturgemäß immer jeweils an Wenige richten, deutlich. Veranstaltungen, die ein weitaus größeres Publikum ansprechen, hatten wir in den zurückliegenden drei Jahren 46. Hinzu kommen Fremdveranstaltungen, auf denen AgiL Präsenz zeigt und ansprechbar ist.
Hülsenreich und Lerchenbergmühle: Erfolgreiche Kooperation durch AgiL
Können Sie Erfolgsbeispiele für Ihre Arbeit nennen?
Unsere Agentur hat das Leipziger Unternehmen Hülsenreich mit der Lerchenbergmühle in Jesewitz bei Leipzig vernetzt und bei der Entwicklung und Durchführung eines gemeinsamen Projektes zur Entwicklung von Convenience-Produkten auf Basis regional angebauter Hülsenfrüchte unterstützt.
Anlässlich der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 haben wir ein regionales Produktsortiment erstellt, wobei wir zusätzlich die Produzenten dabei unterstützt haben, die Herkunft der verarbeiteten Rohstoffe zu regionalisieren.
Darauf aufbauend initiierten wir die Entwicklung eines Regional-Regals für Touristinformationen und den Einzelhandel. Das sind nur zwei Beispiele für die erfolgreiche Arbeit von AgiL.
Projekt läuft noch bis Jahresende
Aktuell arbeiten sechs Teammitarbeiter (4,5 Vollzeitstellen), teils unterstützt von externen Fachleuten, bei AgiL – Sächsische Agentur für regionale Lebensmittel.
Die Beratung für Akteure der sächsischen Land- und Ernährungswirtschaft erfolgt kostenlos.Die Tätigkeit wird vom Freistaat Sachsen gefördert. Träger der seit Dezember 2021 arbeitenden Agentur ist die AgrarMarketing Sachsen GbR.
Das Projekt läuft bis Ende des Jahres 2025.

Unsere Top-Themen
- Schwerpunkt Grünland
- Düngung mit Luftbildern
- Kalkulation der Pacht
- Märkte und Preise
Informiert sein

Fachliche Qualität – jetzt digital mit dem gratis Upgrade!
Sie sind bereits Abonnent:in der gedruckten Bauernzeitung und möchten die aktuelle Ausgabe zusätzlich auf Ihrem Smartphone, Tablet oder in der Browseransicht lesen? Erweitern Sie einfach Ihr Abonnement:
- Jetzt ein Jahr kostenlos upgraden
- Zuverlässig donnerstags lesen
- Offline-Modus: E-Paper auch ohne Internetzugang lesen
- Lesemodus nutzen, Artikel speichern, Suchfunktion
- Zugriff auf das Ausgaben-Archiv
Die Bauernzeitung jetzt digital lesen – immer und überall!