Misshandlung im Kuhstall?

Kühe geschlagen? Vorwurf der Tierquälerei gegen Milchvieh-Betrieb in Brandenburg

In der Uckermark in Brandenburg gibt es den Verdacht von Tierquälerei in einem Milchviehbetrieb. (Symbolbild) (c) Fotolyse/stock.adobe.com
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Tierquälerei-Vorwürfe gegen Milchviehbetrieb in Brandenburg. rbb berichtet: Videoaufnahmen zeigen Misshandlungen von Kühen und Kälbern. Veterinäramt erstattet Anzeige. Was sagt der Betreiber, Agrarministerin Hanka Mittelstädt  und der Bauernverband?

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Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) berichtet über schwere Vorwürfe der Tierquälerei gegen einen der größten Milchviehbetriebe in Brandenburg. Demnach sollen Videoaufnahmen wiederholte Misshandlungen von Kühen und Kälbern dokumentieren. Das zuständige Veterinäramt beabsichtigt, Strafanzeige zu erstatten, wie der rbb meldet. Denny Tumlirsch, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes Brandenburg (LBV), war am Montag vor Ort.

Die Aufnahmen, die dem rbb vorliegen, umfassen etwa 1.000 Stunden Material, das zwischen Mitte Dezember 2024 und Mitte Februar 2025 mit versteckten Kameras aufgezeichnet und der Tierrechtsorganisation Aninova zugespielt wurde. Sie zeigen laut rbb Mitarbeiter einer Milchviehanlage im Norden Brandenburgs, die kranke und lahme Kühe mit Stöcken schlagen und treten, um sie zum Aufstehen zu zwingen. Anschließend würden sich die Tiere zu einem speziellen Melkstand schleppen.

Betreiber: Kühe waren krank

Der Betreiber des Hofes habe gegenüber dem rbb angegeben, dass es sich bei den betroffenen Tieren um erkrankte Kühe handele, die medizinisch behandelt würden und deren Milch, sogenannte „Sperrmilch“, nicht in den Handel gelange.

Tierquälerei: Aninova stellt Strafanzeige

Wie der rbb weiter berichtet, zeigen andere Aufnahmen Kühe, die vor dem Melkstand zusammenbrechen und dann mit Stockhieben oder Metallgegenständen zum Aufstehen gezwungen werden. Zudem seien Szenen dokumentiert, in denen neugeborene Kälber wiederholt brutal durch Futtergitter geworfen würden. Aninova habe das Material ausgewertet und Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin erstattet. Jan Peifer von Aninova äußerte sich gegenüber dem rbb schockiert über die Brutalität der Vorfälle und hofft auf eine harte Bestrafung der Täter. Die Tierrechtsorganisation Aninova kämpft gegen Massentierhaltung.

Veterinäramt in der Uckermark hat Videomaterial gesichtet

Das Veterinäramt des Landkreises Uckermark bestätigte dem rbb, dass ihnen das Videomaterial vorliegt. Amtsleiter Achim Wendland zeigte sich im rbb-Interview „schockiert“ über die Aufnahmen. Er bezeichnete den Umgang mit den Kälbern und das Schlagen der Kühe als „tierschutzwidrig“ und als mögliche „Tierquälerei“. Wendland kündigte gegenüber dem rbb ebenfalls eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin an, die sich gegen die Verantwortlichen des Unternehmens und möglicherweise einzelne Mitarbeiter richten soll.

Bei dem betroffenen Hof handelt es sich laut rbb um die „Wollschow-Menkiner Agrar GmbH“. Geschäftsführer und Eigentümer Ronaldus Meijer zeigte sich gegenüber einem Reporterteam von rbb24 Recherche „schockiert“, nachdem er sich einen Teil der Aufnahmen angesehen hatte. Er gab dem rbb gegenüber an, Mitarbeitern bei seiner Hofübernahme das Schlagen von Kühen verboten und entsprechende Stöcke eingesammelt zu haben. Auf die Frage, ob identifizierte Mitarbeiter weiterhin beschäftigt seien, verwies er auf Gespräche mit dem Veterinäramt und arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen. Weitergehende Fragen des rbb beantwortete er nicht.

Laut rbb zeigen die Videos Tiere mit teils offenen Geschwüren und Tiere, die nicht selbstständig aufstehen können. Weins schätzt gegenüber dem rbb ein, dass die Aufnahmen einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz belegen.

Agrarministerin Mittelstädt: Mitarbeiter ist entlassen worden

Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD) erklärte gegenüber der Bauernzeitung: „Ich habe die Bilder noch nicht gesehen. Aber wenn sie so sind, wie geschildert, dann sind sie auf das Schärfste zu verurteilen.“ Laut Mittelstädt soll der Betrieb den Mitarbeiter entlassen haben. Das Ministerium werde in die vertiefende Recherche gehen, und auch der Landestierschutzbeauftragte soll informiert werden, erklärte die Ministerin. Sie spricht sich gegen grundsätzliche Kameras im Stall aus: „Da spricht die Datenschutzgrundverordnung dagegen“, weiß Mittelstädt aus eigener Erfahrung. Jeder Mitarbeiter müsse gefragt werden, alle müssten zustimmen. In Brandenburg habe es seit vielen Jahren keinen Vorfall gegeben, so die Ministerin.

Das brandenburgische Landwirtschaftsministerium bestätigte dem rbb, dass für die gewerbsmäßige Haltung von Wirbeltieren grundsätzlich eine behördliche Genehmigung erforderlich sei, die einen Sachkundenachweis verlange. Die Landwirtschaft sei davon jedoch gesetzlich ausgenommen, da der Gesetzgeber von genügend Sachkenntnis in der Bevölkerung und einer entsprechenden Ausbildung der Verantwortlichen ausgehe, wie der rbb berichtet.

Uckermark: Bauernverband war vor Ort

Denny Tumlirsch vom Landesbauernverband Brandenburg (LBV) war am Montag vor Ort. Gegenüber der Bauernzeitung erklärte er: „Die Bilder schockieren uns, spiegeln aber gleichzeitig nicht wider, wie unsere Tierhalterinnen und Tierhalter mit ihren Tieren täglich umgehen. Wir waren selbst vor Ort und haben uns von einem ordentlichen, engagiert von einer Familie geführten Betrieb überzeugen können. Die Familie ist selbst im höchsten Maße betroffen von den Vorfällen im eigenen Stall, zeigt sich sehr offen im Umgang mit den zuständigen Behörden und zog bereits arbeitsrechtliche Konsequenzen.“

Außerdem erklärte Tumlirsch, der die Videoaufnahmen auch selbst gesehen hat: „Der Umgang des Mitarbeiters mit den Tieren ist inakzeptabel. Unsere Mitglieder und wir sind uns einig, dass kein wirtschaftlicher Druck oder andere Umstände diesen Umgang mit Tieren rechtfertigen.“ Bei den Tierschutzverstößen handele es sich um eine einzelne Person, die keine leitende Funktion in dem Betrieb inne hatte.

Einzelfall und menschliches Fehlverhalten

Der Hauptgeschäftsführer des LBV solidarisierte sich mit dem Betrieb, der auch ein Mitgliedsbetrieb des Bauernverbandes ist: „Wir stehen hinter der Familie und sehen, dass der Betrieb sich sehr vorbildlich mit der Aufklärung befasst.“ Er betonte ausdrücklich, dass es sich bei den Vorfällen um einen Einzelfall handele, um „menschliches Fehlverhalten, vor dem ist niemand gefeit ist“. Die Ursache sieht Tumlirsch in menschlichem Versagen. Die Umstände, die im Einzelfall dazu geführt haben, würden derzeit im Detail aufgeklärt.

Tumlirsch: Verstöße sind nicht der Regelfall

Wie können Verstöße gegen Tierschutz in großen Milchanlagen, wie es sie in Brandenburg gibt, verhindert werden? „Wir gehen nicht davon aus, dass Verstöße dieser Art der Regelfall sind. Der behutsame Umgang mit den Tieren ist Teil der Tierwirtsausbildung“, erklärte der LBV-Hauptgeschäftsführer. Grundsätzlich sei die emotionale Bindung der Tierhaltenden zu ihren Tieren sehr hoch. „Davon können wir uns regelmäßig bei Besuchen in den Betrieben überzeugen. Im Rahmen der Winterschulungen nutzen Tierhalter das breite Angebot der Weitebildungsmöglichkeiten zur Verbesserung des Herdenmanagements, der Tiergesundheit, der Fütterung als auch die Schulungsangebote des Tierschutzberatungsdienstes.“

Tumlirsch findet es bedenklich, wenn durch Veröffentlichung von Material, das auf strafrechtlich relevante Art und Weise erstellt wurde, verwendet wird und damit Menschen zu weiteren Straftaten animiert werden. Durch die Veröffentlichungen im Fernsehen werde ihnen eine große Bühne geboten. „Das Material gehört ausschließlich auf den Tisch der Veterinärbehörden, da der Sachverhalt feststeht und nicht noch eine weitere Aufklärung durch die Öffentlichkeit notwendig ist“. Das ist lediglich Befriedung von Sensationslust. Ein sachlicher Bericht bedarf dann keiner Bilder mehr“, meint Tumlirsch.

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